Gleicht die Corona-Krise einer Corona-Chance für die Eventbranche?

Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020

Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafe in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Strasse bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona?
Oder sogar besser?
Worüber werden wir uns rückblickend wundern?
” – Matthias Horx

Wir spekulieren alle, wann diese Zeit vorbei sein wird, wann wir wieder normal arbeiten können und wieder Events stattfinden. Doch: WIR SEHEN ES ZU NEGATIV!!!

Natürlich ist diese Krise wirklich eine Krise, denn viele Unternehmen (besonders in meiner Branche) können ihre Mitarbeiter nicht mehr halten, melden für die meisten Kurzarbeit an oder müssen im schlimmsten Fall schließen. Auch ich bin von Kurzarbeit betroffen und viele meiner Freunde und Eventkollegen ebenfalls, weshalb ich diese Situation sehr gut nachempfinden kann. Doch wir haben in den letzten Jahren einen Rückgang der Events verzeichnet und somit kann diese Corona-Krise für uns eine Corona-Chance sein! Hier einmal das AKTUELLE Anforderungsprofil für die Eventbranche:

  • unbezahlte Überstunden
  • mehr als 40 Stunden pro Woche
  • unterbezahlt
  • 24/7 erreichbar
  • kaum Homeoffice
  • stetige Budgetengpässe für die zu planenden Veranstaltungen
  • unfreundliche und ungeduldige Kunden
  • kaum Zeit für die Familie

Um nur einige Aspekte zu nennen, die den Menschen, die ihre Arbeit lieben, das Leben eh schon nicht gerade erleichtern. Ich bin aktuell Dozentin für Live Communication und sehe, wie viele junge Menschen ein völlig anderes Bild dieser Branche haben. Dieses Bild kommt aus einer Zeit, in der ein Eventmanager kein Partyplaner war, ein Freelancer nicht besser bezahlt wurde als ein Festangestellter und Rahmenverträge mit Kunden nicht nur auf dem niedrigsten Preis, sondern der Qualität, basierten.

Dank Corona, können wir zu dieser Zeit wieder zurückfinden. Machen wir doch mal eine Re- anstatt Pro-Gnose:

Die Re-Gnose: Unsere Event-Welt im Herbst 2020

Wir werden uns noch nicht komplett erholt haben. Die Großveranstaltungen, die als erstes abgesagt wurden, werden als letztes wieder in’s Leben gerufen. Aber das ist das Gute, denn so rücken die kleinen und mittelständischen Unternehmen in den Vordergrund, die nicht das größte Budget aber dafür Loyalität, Freundlichkeit und Dankbarkeit für unsere Arbeit besitzen.

Homeoffice ist für viele ein Bestandteil ihrer Arbeitszeit, sodass sie sich besser um ihre Familien kümmern können. Die Menschen überdenken ihre Wertigkeit und der Arbeitgeber lernt seine loyalen Mitarbeiter zu schätzen, die mit ihm gemeinsam diese Krise bewältigt haben. Die ständige Erreichbarkeit wird nicht mehr als Selbstverständlichkeit angesehen und eine zuvor ängstliche Frage: “Kann ich das später erledigen? Ich bin grade nicht am Laptop.” wird vom Chef nicht mehr negativ bewertet.

Die Konzerne sind Vorreiter für digitale Events und merken, dass ein niedriges Budget nicht alles ist, denn es ist besser eines zu haben, als keine Veranstaltungen stattfinden lassen zu können. Konzerte finden zum Teil online statt und ermöglichen Menschen, die vorher nicht daran teilhaben konnten, wie Menschen mit Platzangst, Menschen, die sich nur die Konzertkarte aber nicht die Anfahrt leisten konnten und gehandicapten Menschen, ein Teil dessen zu sein. Durch die Offenheit der Konzerne für Neues werden den Auftragnehmern neue Möglichkeiten geboten. Freundschaften zwischen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Kunde bilden sich und der Satz: “Bei Geld hört die Freundschaft auf” verliert an Gewicht, denn Vermögen spielt weniger eine Rolle als ein gutes Miteinander.

Die E-Mail-Kultur wird zur Telefon-Kultur. Machte man vor Corona alles nur noch per Mail, um es schriftlich zu haben und sein Gegenüber hinhalten zu können, telefonieren wir jetzt, führen ebenfalls private Gespräche und lernen uns besser kennen.

Zusammenfassend haben Events durch die Corona-Chance an Wichtigkeit gewonnen, um anderen Menschen nah zu sein, Networking zu betreiben und die Geschichten hinter jedem einzelnen zu erfahren. Ich finde, es ist eine schöne Vorstellung und liefert all denen, die eine schwere Zeit durchmachen einen neuen Blickwinkel auf das Ganze.

Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.” – Matthias Horx

Aber auch die Event-Welt kann sich neu erfinden.
System reset. – Cool down! – Veranstaltungen zurück!